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Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt! Noch vor kurzem fast unvorstellbar. In Deutschland würden bis 2020 fast fünf Millionen neue Arbeitsplätze entstehen, davon eine Million in den neuen Bundesländern, prophezeit das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Und die Bundesagentur für Arbeit erwirtschaftet Milliardenüberschüsse. 'Werden wir jetzt alle reich?', fragt euphorisch das beliebteste Boulevardblatt der Republik.
Erleben wir ein echtes Job-Wunder?, fragt nüchtern 'Maybrit Illner'. Oder ist die Realität nicht ganz so schön, wie manche jetzt glauben machen wollen? Rede und Antwort steht unter anderen Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, der zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt Gast in einer politischen Talkrunde ist.
Geld für alle?
Es ist noch nicht lange her, da gehörte der Etat der Nürnberger Mammutbehörde zu den großen Sorgenkindern der Politik. Jahr um Jahr musste der Bund Milliardenbeträge überweisen, damit die Behörde zahlungsfähig blieb. Einen Konjunkturaufschwung später schwimmt die Behörde plötzlich im Geld - schon sind die Damen und Herren im Sommerpausen-Berlin eifrig damit beschäftigt, das Geld wählerstimmentauglich zu verteilen. Frank-Jürgen Weise, aber auch Politiker aus den Reihen der Union überbieten sich mit Forderungen nach Beitragssenkung.
Käme damit der Aufschwung endlich bei allen an? Arbeitnehmer und Unternehmer würden sicherlich profitieren. Rentner, Freiberufler und Arbeitslose dagegen hätten nichts davon. Überschüsse aus Nürnberg sollten daher nur zweckgebunden eingesetzt werden zur Senkung der Arbeitslosenzahlen. Vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung müssten staatlich geförderte Angebote fortgesetzt oder gar ausgebaut werden.
Jobs für alle?
Denn immer noch sind mindestens 3,7 Millionen Menschen arbeitslos, Millionen haben Mini-, Midi-, und 1-Euro-Jobs ohne echte Perspektive. Die Chancen der so genannten Generation 50-plus, der jungen Arbeitnehmer ohne Berufserfahrung und der schlecht Qualifizierten auf eine Festanstellung sind unverändert schlecht. Oder sind diese Menschen in Zeiten des Aufschwungs selbst Schuld, dass sie keine Arbeit haben?
Haben wir die guten Zahlen am Arbeitsmarkt den Härten der umstrittenen Harz-Gesetze zu verdanken? Braucht es also noch mehr Druck auf die Arbeitslosen? Kann eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten auf Dauer noch mehr Jobs bringen? Wer kümmert sich um die Verlierer des Aufschwungs? Diese und andere Fragen diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen.